Aus den Häusern 29. April 2012

Tosender Beifall für die schweigsame Frau

Die schweigsame Frau Pr4

Julia Bauer, Guibee Yang

Premiere im Rückblick: Chemnitzer Mut belohnt

Richard Strauss, der dermaleinst in Chemnitz 1925 seinen „Rosenkavalier" selbst dirigiert hat, macht's den Musikern nie leicht. In der „Schweigsamen Frau" schon gar nicht. Vorspiel dritter Akt: Alles könnte genüsslich auf Friede, Schmus, Happyend hinlaufen – aber Strauss skribbelt ein schnelles Fugato mit lauter schwarzem Notengebälk hin, an dem die Streicher gar nicht erst zum „Sägen" (Bläsergespött) kommen, so subtil geht's da zu. Die Robert-Schumann-Philharmonie war auch nach zwei Stunden nicht müde

und nahm die Hürde bravourös wie die ganze eklig schwierige Partitur. GMD Frank Beermann schwitzte zwei Hemden durch, aber er konnte bei der Premiere am Samstag im Chemnitzer Opernhaus stolz auf seine Musiker sein. Und der heraus ragende Protagonist Franz Hawlata (Sir Morosus), auf allen großen Bühnen der Welt daheim, zollte den Musikern bei jedem Vorhang am Schluss seinen Respekt. Schon beim Opernfrühstück des Fördervereins zur „Schweigsamen Frau" hatten er und Regisseur Gerd Heinz von der exzellenten Vorbereitung der Chemnitzer Musiker und Sänger geschwärmt. Klasse Andreas Kindschuh als bauernschlauer Barbier, Monika Straube als besorgte Dragoner-Haushälterin, gleichermaßen firm mit Kamillentee und Degen, rührend tollpatschig die Finnin Tiina Penttinen als bayerische Zenzi (warum kommt uns bei dieser Rolle wie auch bei der „lauten" Schweigsamen immer Straussens „oft arg ruppige" Holde Pauline in den Sinn?). Dazu – auch stimmlich – wunderbar wandelbar Julia Bauer (Aminta, die schweigsame, später kreischende Frau), in Chemnitz schon fast daheim (Love and other Demons, Heimkehr des Verbannten, Zauberflöte), von Dirigent und Orchester auf den Händen getragen, und der im doppelten Wortsinn „gute" Tenor (bei Strauss gibt's sonst, wie gut sie auch singen, nur „böse") Bernhard Berchtold (Neffe Henry), den wir auch schon kennen (Heimkehr des Verbannten). Laut tosender Beifall am Schluss (dem lärmempfindlichen Morosus jetzt sichtlich lieb) – eine gelungene Premiere in einem Bühnenbild, das „alt" sein sollte, es auch war, aber nicht verstaubt antiquiert. Der Mut der Chemnitzer Theater, „die schweigsame Frau" als einzige deutsche Bühne derzeit auf den Spielplan zu heben, hat sich gelohnt. Die Chemnitzer Bühne ist in der Opernwelt für (positive) Überraschungen immer gut. Gott sei Dank. Hoffentlich bleibt's so.

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