Überregional 04. August 2017

Ballett Chemnitz: Militär sorgt für unfreiwilligen Stopp. Aber Gurke gerettet


Ereignisreiche Gastspielwoche in China – Urlaub verdient. Am 28. August geht’s in Chemnitz wieder los. --

Ihre Choreografien zeigen deutlich, was Sache ist. Im Schreiben untertreibt Sabrina Sadowska bisweilen. “Die Reise von Taiyuan nach Guiyang“ sei „schlussendlich doch etwas beschwerlicher“ gewesen, textet sie in ihrer letzten Mail aus dem Reich der Mitte vor dem Rückflug morgen nach Deutschland. Dabei war der unfreiwillige Stopp in Taiyuan nach einer anstrengenden Woche alles andere als gemütlich.

Die ganze Truppe saß schon im Flugzeug. Alles bereit zum Starten. Plötzlich mussten alle wieder aussteigen. Zuerst keine Ahnung, warum. Dann die Begründung: Start auf unbestimmt verschoben "due to military activities". „Und so saßen wir bis Mitternacht fest“, berichtet die Ballettchefin. Lange, lange, langweilige acht Stunden lang. Dann endlich der Start. Ankunft in Guiyang früh um 3.30 Uhr.

In China nimmt offenbar das Militär nicht unbedingt Rücksicht auf friedliche Passagiere von zivilen Airlines. Dabei sind die Chinesen perfekte Gastgeber und den Gästen gegenüber eigentlich höchst rücksichtsvoll. Nicht nur die Chemnitzer warteten acht Stunden, auch ihre Gastgeber hatten sich nicht ins Bett verschlagen. Auch sie harrten geduldig aus, nahmen ihre Gäste in herzlichen Willkommensempfang – morgens um 3.30 Uhr! - und brachten sie ins Hotel.

„Die angesagte Probe für die Tänzer um 10 Uhr haben wir dann ausfallen lassen“, gesteht die Mutter der Kompanie. „Eine kleine Nervenprobe für Yi-ming Xu, der ‚Solitude‘ auf zehn Tänzer übertragen hatte, da ein Teil von Taiyuan schon nach Hause geflogen war.“

Aber die Chemnitzer TänzerInnen sind Profis durch und durch. Klasse auch die letzte, ungeprobte, Vorstellung in Fernost „mit ‚Home Alone‘ von und mit Yi-ming- XU und ‚Solitude‘ mit dem Ballett Chemnitz. Starke Bilder, intensiver Tanz und ein gefeierter Abschluss unserer China Tournee“, schreibt eine dankbare Sabrina Sadowska. „Das Publikumsgespräch mit Willy Tsao, Yi-ming Xu und Sabrina Sadowska zeigte viele neugierige Gesichter und Begeisterung. Ein Zuschauer meinte, er kenne modernen Tanz aus Deutschland nicht. Einzig Pina Bausch hatte er schon gesehen und manches erinnerte ihn daran.“ Chemnitz hat sich im Südwesten von Fernost einen Namen gemacht.

Denn dieses Guiyang liegt im Südwesten Chinas, 1300 km entfernt von Taiyuan. Die Hauptstadt der Provinz Guizhou zählt 3,4 Mio. Einwohner und beherbergt über 20 Ethnien.  Sie ist die Heimatstadt von WU Hong-Shi. Sabrina Sadowska kennt ihn gut. „Er war Tänzer in der Guangdong Modern Dance Company, der ersten 1992 staatlich gegründeten professionellen modernen Tanzkompanie. Am Ende seiner Karriere kam WU Hong-Shi in seine Heimatstadt zurück und hob das Guizhou Dance Festival aus der Taufe.

Unter dem Motto "Let The Chance Happen" findet nun vom 31. Juli bis 8. August die zweite Ausgabe als Projekt von The Colorful Guizhou Culture & Art Festival 2017. Acht Tage finden Meisterklassen und Internationale Gastspiele im Shiji Xingguang Theater mitten im Zentrum statt.“


Und die glückliche Ballettchefin zieht ein schönes Fazit: „Ein letztes Essen mit Wehmut. (Ob die Salatgurke vom Foto oben da noch eine Rolle gespielt hat, hat die Chronistin nicht überliefert. Wohl aber, dass Emilijus Miliauskas sie vom Urlaub in Portugal bis nach Guiyang als Notproviant mitgebracht hatte. Die Red.).

Die Tänzer waren von der ganzen Woche begeistert und haben Guiyang sehr ins Herz geschlossen. Hier konnten sie das vielfältige Leben zwischen dem alten und neuen Weg in China am besten erleben. Nun sind sie wieder in alle Winde verstreut. Am 28. August beginnt die neue Spielzeit und bis dahin ist Erholung angesagt.“

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