Aus den Häusern 07. Februar 2020

Verrückte Hunde


6. Sinfoniekonzert (Donnerstag) im Rückblick: Aller guten Dinge sind 3 – Fast hätte es nicht geklappt. Aber Kolsimcha überwindet alle Hindernisse – Stadthalle wieder viermal rappelvoll -

„Ihr seid verrückte Hunde“, habe einer der CD-Käufer in der Pause zu ihm gesagt, erzählte Kolsimcha-Bandleader Olivier Truan zu Beginn des zweiten Teils des Konzerts. „Ja!!!“ schalte es vom Rang. Und das Publikum in der wieder voll besetzten Stadthalle tobte vor begeisternder Zustimmung. Truan selbst gingen zwar die Namen der (verrückten) Hunderassen aus, mit denen er seine Kollegen bei der Vorstellung charakterisieren wollte. Macht nichts. Hauptsächlich die Töne und Ideen gehen dem schweizer Tiefstapler („ich bin der Klavierspieler“) nicht aus.

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Rund ums Theater 03. Februar 2020

Vogtland. Leninorden. Franzosennamen

Spielzeit im Kraftwerk: Schon wieder eine Überraschung--

Der Vater stammte aus Untersachsenberg im Vogtland. Er selbst wurde auf der Krim geboren und bekam später den Leninorden. Und wurde einer der großen Komponisten der Stalinzeit. Aus Herrn Glier wurde der Prokofjew-Lehrer Glière. Französisch klingt halt globaler. Sagt, was Ihr wollt. Aber die Spielzeit im Kraftwerk, die Jakub Tylman, Solo-Cellist der Robert-Schumann-Philharmonie, einst aus der Taufe hob, ist mittlerweile nicht nur Kult, sondern immer auch für Überraschungen gut. Heute Abend, im gut besetzten Chemnitzer Kraftwerk, war es wieder mal so weit.

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Aus den Häusern 02. Februar 2020

Das Leben. Ein Spiel?

Premiere im Rückblick: Viel Beifall für Kathrin Brunes Sicht auf Max Frischs „Biografie : Ein Spiel“ gestern Abend im Chemnitzer Schauspielhaus --

Interessanter Gedanke: Du kannst Dein Leben (griech. „bios“) neu schreiben (griech: „grafein“). Ändert sich Deine Biografie, wenn Du in die Zufälle des Lebens eingreifen kannst? Wird aus dem „Stairway to hell“ (Disconummer im Stück) ein „Stairway to heaven“? Bei Frisch, dem Schweizer Schach- und Sprachspieler, nicht. Sein Kürmann (althochdeutsch: küren= wählen) zieht eigentlich immer die gleichen Züge, statt mal was ganz anderes zu machen oder sein zu wollen. Mal Skat statt Schach spielen oder so. Das andere „Leben – (bleibt) ein Traum“ (Titel eines einflussreichen Stücks von Calderón de la Barca aus dem 17. Jahrhundert). Am Ende hat Kathrin Brune, die Regisseurin, sogar Mitleid mit dem Lebensspieler. Und aus dem Spiel wird Ernst.

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Aus den Häusern 26. Januar 2020

Liebeswunderland kaputt. Schnee an der Schelde


Premiere im Rückblick: Die Last des Grals – In der verkorksten Menschenwelt ist kein Platz für Liebe – Viel Beifall für den Chemnitzer „Lohengrin“ --

Der Schwan tut seine Schuldigkeit zu früh. Das Wunder bleibt aus. Lohengrins für das Menschenkind Elsa  entflammtes Liebesfeuer erlischt im Schnee. Zu kaputt ist alles in dieser dunklen Menschenwelt, die selbst den Heilsbringer vom reinen, strahlenden Gral „mit gesenktem Haupte traurig“ (Wagner) zurücknachen lässt. Der andorranische Regisseur Joan Anton Rechi verlegt denn auch den Schauplatz von der lieblichen „Aue am Ufer der Schelde“ auf ein marodes, „wnderlnd“-flackerndes Freizeitpark-Eisengewirr, in dem die Achterbahn auf den leeren Gerüsten nicht mehr, dafür das Leben selbst mit den Reinen Achterbahn fährt. Nicht allen Wagnerianern gefällt das. Es gab ein paar Buhs für den Regisseur bei der Premiere, gestern, Samstagabend, im ausverkauften Chemnitzer Opernhaus. Aber sie wurden schnell aufgesogen und übertönt von einem langen, herzlichen Beifall vor allem für die Sänger, den Chor und die Robert-Schumann-Philharmonie unter ihrem GMD Guillermo García Calvo.

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Rund ums Theater 17. Januar 2020

Einer geht noch

Spielzeit im Kraftwerk: Benefiz und Donnerstag – umjubeltes Schubert-Oktett --

Immer dieser Titan im Rücken. Für den jungen Franz Schubert war Beethoven wie ein strenger Übervater, dem man nichts recht machen und schon gar nicht das Wasser reichen kann. Dieser Beethoven hatte auch ein Septett geschrieben. 1800. Da war Schubert gerade mal drei. Als 27-Jähriger endlich wischte er alle Bedenken auf die Seite und die Hemmungen weg. Einer geht noch, dachte er wohl. Und fügte dem Septett aus Streichern und Bläsern noch eine Stimme hinzu: die zweite Geige. Schuberts Oktett ist bis heute eine der beliebtesten Kammermusik-Kompositionen. Auch am Donnerstag klatschten sich die Zuhörer der Spielzeit im rammelvollen Chemnitzer Kraftwerk nach dem Ohrenkitzel die Finger wund.

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