Aus den Häusern 26. Mai 2019

Arme Frauen. Die Ohnmacht der Liebe


Premiere im Rückblick: Regisseur Robert Lehmeier krempelt Beethovens „Fidelio“ um – Den Leuten gefällt’s --

Am Ende gehört Leonore zu den Verlierern. Die Liebe hat gesiegt. Aber es war ein ohnmächtiger Pyrrhus-Sieg. Leonores Mann Florestan, eben aus dem Kellerkerker befreit, ist bereits wieder machtblauuniformierter Don. Der erwischte Übeltäter Pizarro entfleucht, nochmal ein diabolisches Grinsen zurücklassend, durch die hohle Gasse, wohin ihm die Mächtigen folgen, die ihn wohl demnächst zum Staatssekretär in einem anderen Ressort mit zwei Gehaltsstufen mehr befördern werden. Die moralische Siegerin Leonore bleibt betröppelt zurück wie ihre arme, jüngst gewonnene Herzschwester Marzelline, die den Brautschleier resignierend brüsk zurückweist, den ihr der Ex-Geliebte als letzten Liebeserweis antun will. Die Revolution bleibt aus. Das bauhausbunt gewandete Volk (Kostüme: Ingeborg Bernerth in entsprechend giftgrünen Pumps) gestikuliert nichts hören, nichts sehen – nichts sagen fehlt. Dafür singt es „Heil sei dem Tag, heil sei der Stunde“. Am langanhaltenden Beifall des Publikums (darunter anfänglich auch Kunstministerin Eva-Maria Stange) gemessen kam Lehmeiers Sichtweise bei der Premiere am Samstagabend im fast voll besetzten Chemnitzer Opernhaus gut an.

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Vom Förderverein 06. Mai 2019

Bitte vormerken: Mitgliederversammlung und Akademistenkonzert

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins findet am Montag, 3. Juni 2019, 19 Uhr, im Schauspielhaus statt.

Schriftliche Einladung kommt in den nächsten Tagen.

Zu ihrem traditionelles Saisonabschlusskonzert laden die Musiker der Rudolf-Kempe-Akademie ein auf den 21. Juni, 18 Uhr, in die Jakobi-Kirche.

Näheres zum Programm finden Sie (mit aktualisiertem Programm) hier

Aus den Häusern 05. Mai 2019

Der liebe Gott und der Apfelkuchen

Premiere im Rückblick: Carsten Knödler bringt Anders Thomas Jensens Filmstoff „Adams Äpfel“ stark auf die Bühne --

Ein ganz großer Kuchen sollte es werden, schließlich stand aber nur noch ein Apfel für ein Miniküchlein zur Verfügung. Aber dieses Küchlein bedeutet Sieg auf der ganzen Linie. Der frühere Neo-Nazi Adam ist bekehrt, und der an Gott zweifelnde Pastor Ivan vertraut wieder auf die Güte Gottes. Apfelblüten regnen in den Bühnenfrühling, der Suffkopp Gunnar macht sich mit Frau und Kind auf den Weg nach Indonesien, „weil dort ein Mongo nicht so auffällt“. Politisch unkorrekt, böse und rabenschwarz ist diese Komödie nach dem Film von Anders Thomas Jensen (2005), die Carsten Knödler (in einer Bühnenfassung von K.D.Schmidt) auf die Chemnitzer Schauspielbühne transferiert hat. Gestern, Samstagabend, war Premiere. Das Publikum, in der Pause noch unentschlossen, applaudierte am Ende stark.

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Aus den Häusern 04. Mai 2019

Umträumungen


Premiere im Rückblick: Gestern, Freitagabend, Uraufführung von „Rauschen“, dem Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2019 --

Nein, kein „t“ zu viel. Sie haben richtig gelesen. „Umträumungen“ vermissen die Außerirdischen bei den Menschen. Sie verachten das kalte „Küsschen links, Küsschen rechts“, wenn Menschen so tun als ob (sie sich mögen oder so). „Als ob“ ist der dramatische rote Faden in Natalie Baudys Stück „Rauschen“, mit dem die junge Theaterfrau vor 65 anderen Arbeiten den Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2019 gewonnen hat. „Als ob“ alles so wäre, wie es scheint, setzt der ursprünglich amerikanische Regisseur Brian Bell mit seinem Bühnen- und Kostümbildner Daniel Unger bestechend und tupfengenau in Szene. Hinter van-Gogh’schem Sonnenblumendruck lugt da schon mal das (sie sind alle „d“, die Weltall-Besucher) Außerirdische Al Tee hervor. Vier Schauspieler mimen quirlig die Irdischen und Außersolchen in einer absurden Welt, in der wir, die Menschen, die Absurdesten sind. Viel Beifall für die Akteure und die zur Uraufführung angereiste Autorin.

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Aus den Häusern 28. April 2019

Teuflisch, teuflisch


Premiere im Rückblick: Die Chemnitzer Oper gräbt eine Operette von Franz von Suppé aus, die später auch an der Volksoper Wien gespielt wird – Gestern war Premiere im ausverkauften Chemnitzer Opernhaus --

Jeder, der nicht nur auf Heavy Metal steht, kennt die Suppé-Melodien aus den Operetten „Leichte Kavallerie“, „Die schöne Galathée“ oder „Dichter und Bauer“. Doch ein Stück des Vaters der Operette (ja, noch vor Johann Strauß), Franz von Suppé, kannten selbst Fachleute nicht. Das sollte sich zum 200. Geburtstag des Komponisten, der sich vor wenigen Tagen, am 18. April, jährte, ändern. Die Oper Chemnitz und die Volksoper Wien beschlossen eine Koproduktion von „Der Teufel auf Erden“. Alexander Kuchinka machte sich über den Text her und fasste ihn neu, Jakob Brenner kümmerte sich um die richtigen Töne und gab den Männern, was den Männern ist (nur Männerchor in der Kaserne) und den Frauen, was deren Sache ist (Nonnenkloster). Für gemischte Chöre blieb in der Hölle oder beim Opernball genügend Raum. Kein Mensch auf der Bühne oder im Graben hatte die Operette vorher gesungen, gespielt oder dirigiert. Leistung. Die dreistündiger Neuproduktion hatte gestern, Samstag, im ausverkauften Chemnitzer Opernhaus, Premiere.

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