Aus den Häusern 05. Mai 2019

Der liebe Gott und der Apfelkuchen

Premiere im Rückblick: Carsten Knödler bringt Anders Thomas Jensens Filmstoff „Adams Äpfel“ stark auf die Bühne --

Ein ganz großer Kuchen sollte es werden, schließlich stand aber nur noch ein Apfel für ein Miniküchlein zur Verfügung. Aber dieses Küchlein bedeutet Sieg auf der ganzen Linie. Der frühere Neo-Nazi Adam ist bekehrt, und der an Gott zweifelnde Pastor Ivan vertraut wieder auf die Güte Gottes. Apfelblüten regnen in den Bühnenfrühling, der Suffkopp Gunnar macht sich mit Frau und Kind auf den Weg nach Indonesien, „weil dort ein Mongo nicht so auffällt“. Politisch unkorrekt, böse und rabenschwarz ist diese Komödie nach dem Film von Anders Thomas Jensen (2005), die Carsten Knödler (in einer Bühnenfassung von K.D.Schmidt) auf die Chemnitzer Schauspielbühne transferiert hat. Gestern, Samstagabend, war Premiere. Das Publikum, in der Pause noch unentschlossen, applaudierte am Ende stark.

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Aus den Häusern 04. Mai 2019

Umträumungen


Premiere im Rückblick: Gestern, Freitagabend, Uraufführung von „Rauschen“, dem Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2019 --

Nein, kein „t“ zu viel. Sie haben richtig gelesen. „Umträumungen“ vermissen die Außerirdischen bei den Menschen. Sie verachten das kalte „Küsschen links, Küsschen rechts“, wenn Menschen so tun als ob (sie sich mögen oder so). „Als ob“ ist der dramatische rote Faden in Natalie Baudys Stück „Rauschen“, mit dem die junge Theaterfrau vor 65 anderen Arbeiten den Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2019 gewonnen hat. „Als ob“ alles so wäre, wie es scheint, setzt der ursprünglich amerikanische Regisseur Brian Bell mit seinem Bühnen- und Kostümbildner Daniel Unger bestechend und tupfengenau in Szene. Hinter van-Gogh’schem Sonnenblumendruck lugt da schon mal das (sie sind alle „d“, die Weltall-Besucher) Außerirdische Al Tee hervor. Vier Schauspieler mimen quirlig die Irdischen und Außersolchen in einer absurden Welt, in der wir, die Menschen, die Absurdesten sind. Viel Beifall für die Akteure und die zur Uraufführung angereiste Autorin.

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Aus den Häusern 28. April 2019

Teuflisch, teuflisch


Premiere im Rückblick: Die Chemnitzer Oper gräbt eine Operette von Franz von Suppé aus, die später auch an der Volksoper Wien gespielt wird – Gestern war Premiere im ausverkauften Chemnitzer Opernhaus --

Jeder, der nicht nur auf Heavy Metal steht, kennt die Suppé-Melodien aus den Operetten „Leichte Kavallerie“, „Die schöne Galathée“ oder „Dichter und Bauer“. Doch ein Stück des Vaters der Operette (ja, noch vor Johann Strauß), Franz von Suppé, kannten selbst Fachleute nicht. Das sollte sich zum 200. Geburtstag des Komponisten, der sich vor wenigen Tagen, am 18. April, jährte, ändern. Die Oper Chemnitz und die Volksoper Wien beschlossen eine Koproduktion von „Der Teufel auf Erden“. Alexander Kuchinka machte sich über den Text her und fasste ihn neu, Jakob Brenner kümmerte sich um die richtigen Töne und gab den Männern, was den Männern ist (nur Männerchor in der Kaserne) und den Frauen, was deren Sache ist (Nonnenkloster). Für gemischte Chöre blieb in der Hölle oder beim Opernball genügend Raum. Kein Mensch auf der Bühne oder im Graben hatte die Operette vorher gesungen, gespielt oder dirigiert. Leistung. Die dreistündiger Neuproduktion hatte gestern, Samstag, im ausverkauften Chemnitzer Opernhaus, Premiere.

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Aus den Häusern 26. April 2019

Die Geschichten kleiner und großer Helden

Theater Chemnitz stellt den Spielplan für 2019/2020 vor – Große Romantik und ganz viel Moderne --

Gundula Hoffmann, Chefin des Chemnitzer Figurentheaters, stellt ihre neue Spielzeit unter das Motto „Die Geschichten kleiner und großer Helden“. Das Motto könnte über dem ganzen Spielplan 2019/2020 der Theater Chemnitz stehen, das am Freitagmittag vorgestellt wurde. In fast alle Sparten spielt das Nachdenken über die gesellschaftlichen Brüche nach den Chemnitzer August-Ereignissen hinein. Direkt oder indirekt.

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Aus den Häusern 12. April 2019

Glemser glänzt

8. Sinfoniekonzert (Donnerstag) im Rückblick: Liszts 2. Klavierkonzert endlich auch in Chemnitz zu erleben --

Das virtuose zweite Klavierkonzert von Franz Liszt steht nicht oft auf den Programmzetteln. Es ist „pianistisch wirklich sehr, sehr schwer“, gestand der italienische Pianist Francesco Piemontesi einmal. Für Bernd Glemser, den jugendlich wirkenden, 57-jährigen Tastenzauberer, kein Problem. Er war schon Professor, da hatte er noch nicht mal sein Examen an der Musikhochschule abgeschlossen – dafür 17 Wettbewerbe in der ganzen Welt in Folge gewonnen, einsamer Weltrekord! Raimund Kunze, der Orchesterdirektor der Robert-Schumann-Philharmonie mit einem feinen Gespür für überraschende Momente durch Künstler und Literatur, wollte Glemser haben. Und der wollte mit den Chemnitzern ausgerechnet das zweite Liszt-Konzert spielen. So kamen mehr als 2.000 Besucher der Stadthalle am Mittwoch und Donnerstag in den Genuss eines selten live erlebten Spitzenwerks der Klavierkonzertliteratur.

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