Aus den Häusern 26. September 2020

Leben. Lüge?

Repertoire (Freitag, 21 Uhr): Drei Tschechow-Einakter

Selten. Das Schauspielhaus empfängt um 21 Uhr teils neues Publikum, nachdem schon um 18 Uhr eine Aufführung im großen Saal stattgefunden hat. Wieder ein Kammerspiel, das sonst wohl ebenfalls im Ostflügel Platz fände.  Aber in Corona-Zeiten wird nur die Hauptbühne bespielt. Stress pur für alle Beteiligten – die vielen Proben und Aufführungen am selben Ort. Kompliment an die Theaterleute. Sie wollen das Publikum die lange theaterlose Zeit vergessen machen. Und – nebenbei, sagen sie selbst – sie brauchen endlich wieder das Spiel vor Leuten.

Jetzt also Tschechow. Im Programmheft hat man für die russische Schreibweise Чехов die angeblich wissenschaftlich richtige „Transliteration“ Čechov gewählt. Sei’s drum. Tschechow geht in den drei Einaktern der uralt menschlichen Frage nach, ob wir die sind, die wir scheinen, oder gar die, die wir sein wollen.

Katka Kurze und Dirk Glodde machen diese Selbstsuche, die eigentlich vergebliche Selbstfindung ist (das verbindet die beiden Aufführungen von 18 und 21 Uhr miteinander), zum leisen Kammerspiel. Erst Glodde als der alte Ex-Hamlet, Ex-Faust und Ex-Richard III, der nur noch den „Schwanengesang“ anstimmen kann (was Glodde über weite Strecken extrem leise tut…), dann Katka Kurze in ihrem Monolog, der eigentlich eine Rede über die „Schädlichkeit des Tabaks“ sein sollte, dann aber zu einer Abrechnung der untergebutterten Frau mit ihrem Gatten ist. Und mit der eigenen Lebenslüge.  „Der Bär“ schließlich führt zu den wenigen dramatischen Momenten des Abends – und die beiden in Corona-verbotene Kuss-Nähe. Aber die dürfen das. Sind auch sonst ein Paar.

Viel Beifall auch für Katka Kurze und Dirk Glodde. Schöner Abend nach der langen Corona-Pause. Wermutstropfen: Theaterclub geschlossen. Was machen zwischen den Aufführungen? Immerhin – vor an der Brücke, das Exil hat auf. Freundlich. Gut. Aber irgendwann braucht das Schauspielhaus wieder eine eigene Gastronomie.

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