Rund ums Theater 16. April 2019

Klarinette verleiht dem Flügel Flügel

Spielzeit im Kraftwerk: Zum ersten Mal erklingt der überholte Blüthner-Flügel --

Der Zahn der Zeit hatte an dem Blüthner-Flügel im Chemnitzer „Kraftwerk“ genagt. Das in den 20er oder 30er-Jahren gebaute Instrument (so genau weiß das niemand mehr) ist von der Generalüberholung zurück. Noch vor dem offiziellen Eröffnungskonzert am 28. April, 16 Uhr, mit Jeffrey Goldberg und anderen erklang das neu gemachte Instrument zum ersten Mal. Ausgerechnet im Duo mit der Klarinette.

Die „Spielzeit im Kraftwerk“ ist immer für Überraschungen gut. Zwei in der Original-Besetzung selten gespielte Duos von Brahms und Schumann standen am Montagabend im gut besuchten Saal des Chemnitzer „Kraftwerks“ auf dem Programm. Schumann hat selbst darüber nachgedacht, seine drei Fantasiestücke von Cello oder Bratsche ausführen zu lassen. Und Brahms hat gleich eine zweite Fassung seiner 2. Sonate für Klavier und Klarinette, diesmal für Bratsche, angefertigt. Einfacher Grund: Es gab zu wenig gute Klarinettisten zu seiner Zeit.

Das ist heute anders. Die Soloklarinettistin der Robert-Schumann-Philharmonie ist ein Ass auf ihrem Instrument. Und dass Schumann im 3. Stück ein „schneller, schneller, schneller“ fordert, juckt sie einen Dreck. Sie hat’s einfach drauf. Nicht nur in den fingerbrecherischen Passagen, sondern auch in den romantisch stillen Passagen (auch drunten in der Tiefe des Instruments) wie im ersten, dem „amabile“-Satz von Brahms oder dem „lebhaft leichten“ zweiten Fantasiestück von Schumann.

Noch stimmt nicht alles am altneuen Flügel. Da muss der Stimmer noch ein bisschen nachjustieren. Hiroto Saigusa ließ sich dadurch nicht beirren. Schon bei der Brahms-Sonate zeigte er, wer Herr im Hause ist (oder scheint). Immerhin hat Brahms die Sonate für Klavier und Klarinette geschrieben und nicht umgekehrt. Aber Regine Müller ließ sich auch von der noch so flüssigen Vielfruchtigkeit des Klaviers nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie spielte so sanft, dass der Flügel so laut flattern konnte, wie er wollte, und doch die Zartheit siegte. Und sie jubelte den letzten Ton des „mit Feuer“ zu spielenden letzten Schumann-Stücks so herrlich, dass der Flügelakkord noch beflügelter schien.

Das Publikum, darunter viele Philharmoniker aus der Klarinetten- und Holzbläserfraktion genauso wie der Spiritus Rector der Spielzeiten im Kraftwerk, Jakub Tylman, ließen die beiden nicht ohne Zugabe gehen. Klar doch. A propos gehen: Ute Kiehn-Dziuballa, seit 20 Jahren engagierte Chefin des Kraftwerks hat ihren Leitungsstab abgegeben, wie sie erzählte. Aber das Kraftwerk liegt ihr noch sehr am Herzen. So schnell geht man nicht…

Im Gegenteil. Sie warb dafür, dass die Leute kommen: Zur nächsten Spielzeit am 27. Mai, wenn sich die vier jungen Musiker der Rudolf-Kempe-Akademie der Robert-Schumann-Philharmonie vorstellen werden.

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