Rund ums Theater 17. Januar 2020

Einer geht noch

Spielzeit im Kraftwerk: Benefiz und Donnerstag – umjubeltes Schubert-Oktett --

Immer dieser Titan im Rücken. Für den jungen Franz Schubert war Beethoven wie ein strenger Übervater, dem man nichts recht machen und schon gar nicht das Wasser reichen kann. Dieser Beethoven hatte auch ein Septett geschrieben. 1800. Da war Schubert gerade mal drei. Als 27-Jähriger endlich wischte er alle Bedenken auf die Seite und die Hemmungen weg. Einer geht noch, dachte er wohl. Und fügte dem Septett aus Streichern und Bläsern noch eine Stimme hinzu: die zweite Geige. Schuberts Oktett ist bis heute eine der beliebtesten Kammermusik-Kompositionen. Auch am Donnerstag klatschten sich die Zuhörer der Spielzeit im rammelvollen Chemnitzer Kraftwerk nach dem Ohrenkitzel die Finger wund.

Jakub Tylman, Initiator der Kultreihe, hatte Kollegen aus der Robert-Schumann-Philharmonie eingeladen, mit ihm zu zeigen, welche Kraft in diesem Schubert steckt – und welcher Melodienreichtum. Gut, dass Schubert einen zweiten Geiger dazu nahm: Benjamin Fuhrmann ergänzte sich mit Hartmut Schill zu einem perfekten, bis auf Bogenzentimeter abgestimmtes Duo. Aber Schubert zeigt auch, wie gut hohe Solo-Violine (bisweilen hat Schill so virtuos viel zu tun wie in einem Violinkonzert) und Fagott (Steffen Albert) in romantischen Sexten zusammenklingen können.

Bratsche (Eckbert Reuter), Cello (Jakub Tylman) und Kontrabass (Dae-Kyu Park) schaffen die klingende Basis – in Tiefen und Tempo – und geben den Solisten (neben Schill vor allem der wunderschönen Klarinettenstimme von Ralf Pettke) Rückhalt, nicht nur im bezaubernden Variationen-Satz. Sie dräuen auch tremolierend in den glänzenden Schluss, in dem der Hornist (Benedikt Euler) noch einmal lautstark zeigen konnte, was er mit seiner Glücksspirale drauf hat.

Ein Divertimento ist dieses Oktett – im Wortsinn beste Unterhaltung in fast sinfonischer Form. Das Publikum war hin und weg und hörte vor Dankbarkeit gar nicht auf zu klatschen. Der Saal war mehr als voll besetzt, obwohl die Spielzeit erstmals seit Beginn der Kultreihe vor ein paar Jahren an einem Donnerstag stattfand. Verständlich die Freude von Ex-Kraftwerk-Chefin Ute Kiehn Dziuballa („eigentlich bin ich ja Rentnerin“) , die nicht nur die Freude über ein außergewöhnliches Konzert mit dem Publikum teilte, sondern auch auf eine reicher gefüllte Spendenbox hoffen konnte. Das Geld kommt dem Verein WeltBeweger Deutschland e.V. zugute, der sich – auch von Chemnitz aus – um das Wohl von Kindern kümmert, die sonst – hier und in Afrika – der Umwelt egal wären…

Jakub Tylman hat mit seinen Kollegen und Freunden wieder einen Volltreffer gelandet. Das wird sich auszahlen auch bei der nächsten Spielzeit, schon bald, am 3. Februar, 18 Uhr. Also wie gewohnt, wieder an einem Montag. Dann zeigen Julia Flögel und Rolf Müller, wie herrlich zwei Cello-Brummbären miteinander auf ihren Instrumenten singen können.

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