Überregional 29. April 2017

Jetzt ist es amtlich: 2018 gibt’s den ganzen „Ring“


Die Theater Chemnitz stellen das Programm für die Spielzeit 2017/18 vor – Neuer Web-Auftritt.-

Die ersten Wagner-Fans haben ihre Tickets ratzfatz im neuen Web-Auftritt der Chemnitzer Theater gebucht, der eben erst freigeschaltet wurde: Im Jahr 2018 wird der komplette „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner aufgeführt – zum zweiten Mal nach der Wende. Das hat in Sachsen noch kein andres Theater geschafft.

Generalintendant Christoph Dittrich lüftete bei der Pressekonferenz am Freitagmorgen auch das „Geheimnis um die Inszenierungen“: Vier Frauen werden den Kraftakt stemmen, den Dittrich „ein Geschenk an die Stadt“ zu deren 875. Jubiläum nannte. Der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig wird die „weibliche Sicht auf den ‚Ring‘“ (Dittrich) gefallen. Vielleicht hat die Aufsichtsratsvorsitzende deshalb (erstmals?) ein herzliches Vorwort für das Spielzeitheft geschrieben, das jetzt überall erhältlich ist.

Das „Rheingold“ (Regie: Verena Stoiber) hat am 3. Feburar 2018 Premiere, „Die Walküre“ (Regie Monique Wagemakers) ein paar Wochen später am 24. März. „Siegfried“ (Sabine Hartmannshenn) folgt in der Spielzeit drauf am 29. September 2018, die „Götterdämmerung“ (Elisabeth Stöppler) am 1. Dezember. Am Pult allerdings wechseln sich Männer ab: Felix Bender, der kommissarische Generalmusikdirektor der jetzigen Spielzeit und der kommende Chef Guillermo García Calvo.

Dafür steht an der Spitze des Balletts künftig allein Sabrina Sadowska die bisherige Ballettbetriebsdirektorin. Sie freut sich auf einen ganz besonderen Abend – der Inder Ashley Lobo wird  - nicht mit „Plüschtier“ oder Zeichentrickfigur – „Das Dschungelbuch“ als Melange der ganz unterschiedlichen Auffassungen von indischem und europäisch zeitgenössischem Tanz auf die Bühne bringen (Premiere: 11. November 2017).

Kathrin Brune inszeniert im Schauspiel die deutschsprachige Erstaufführung von „Und Nietzsche weinte“, die Carsten Knödler, der Schauspieldirektor, besonders hervorhob (Premiere am 23. Februar 2018). Nicht nur, weil er sich sehr freut, dass Chemnitz die Rechte bekommen hat, sondern auch, weil es zum „Gender-Thema“ passt, das eben auch im Schauspiel in der kommenden Spielzeit eine besondere Rolle spiele.

Die Figurentheater-Chefin Gundula Hoffmann will sich in einer spannenden Geschichte interaktiv mit den Zuschauern auf eine Forschungsreise in den (fast 11.000 Meter tiefen) Marianen-Graben begeben – „Tiefsee“ heißt das Stück (Premiere: 10. März 2018).

Die Sicht der und auf Frauen ist nur ein Teil der „ausgedehnten Reise“ durch „Stile, Kunstformen, Geschichte und Zeit“, mit der Christoph Dittrich den Spielplan verglich. Im Mittelpunkt stehe dabei immer der „heutige Mensch als fühlendes Wesen“ in „gesellschaftlich bewegten Zeiten“.

Das Schauspiel etwa hat sich das Thema Europa besonders vorgenommen. Carsten Knödler selbst inszeniert eine szenische Collage „Europa! – Ein patriotischer Abend 1917“, die u.a. die (Anti-)Hurra-Gründung von Künstlerbünden über alle Sparten hinweg reflektieren will. Der Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2018 stehe eindeutig und ganz unter dem Motto Europa. Und es soll nicht nur bei der Theorie bleiben. Künstler aus den Nachbarländern sollen einbezogen werden.

Klar, dass Knödler, der in wenigen Tagen mit seinem „Faust I“ Premiere hat, gespannt ist auf „Meister und Margarita“, den „russischen Faust“ von Michail Bulgakow (Premiere 17. März 2018). Des Schweizers Max Frisch „Homo faber“ wird Hasko Weber inszenieren (Premiere 14. Oktober 2017). Weber ist nicht nur Generalintendant des Nationaltheaters in Weimar. Er spielte an jenem 7. Oktober 1989 in Karl-Marx-Stadt eine besondere Rolle…

„Als Experten im Umgang mit dem mehrfachen Wandel einer Stadt haben wir Europa eine Geschichte zu erzählen, die keine Zurückhaltung braucht“, schreibt der Generalintendant. So ist es kein Wunder, dass vor dem Hintergrund der Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2025 „mit all unseren Inszenierungen und mit Sonderprojekten… das 875-jährige Stadtjubiläum“ (Dittrich) auch von den Theatern mit seinem Publikum gebührend gefeiert wird.

Noch ein anderes Jubiläum steht an: die 25. Wiederkehr des Jahrestages der Wiedereröffnung des Opernhauses. Am 19. Dezember 2017 bringt sich der neue Chefdirigent Guillermo García Calvo mit einem großen Festkonzert in seine (bald nicht nur musikalische?) Heimatstadt ein.

Auf Calvo freuen wir uns. Klar, dass der Spanier uns spanisch kommen wird: im 10. Sinfoniekonzert im Juni 2018 wird er die Sterne einer „Spanischen Nacht“ glänzen lassen, wie Raimund Kunze sagte, der das Konzertprogramm vorstellte. Wenn man ein bisschen tiefer einsteigt in das Programm, das sich Calvo vorgenommen hat, fällt die Breite seiner musikalischen Interessen auf.

Das erste Werk des Antrittskonzerts (2. Sinfoniekonzert im Oktober 2017) ist eine (sympathische) Verbeugung des neuen GMD an den Namensgeber „seines“ Orchesters. Beermann hatte die Tradition, die neue Spielzeit jeweils mit einem Schumann zu eröffnen, abgeschafft. Calvo dirigiert in seinem ersten Konzert Schumanns „Genoveva“-Ouvertüre. Und am selben Abend gleich auch noch zwei Werke von Richard Strauss, der so etwas wie ein Lieblingskomponist der Robert-Schumann-Philharmonie ist.  Ein Höhepunkt der Straussiana wird die gewaltige Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ im April-Sinfoniekonzert.

Dieses Konzert eröffnet Calvo mit Haydn (Sinfonie Nr. 99). Denn Calvo, so Kunze, liebt auch die Wiener Klassik sehr. Nicht umsonst stehen auch einige Mozartwerke auf dem Konzertplan, auch wenn Calvo nicht selbst dirigiert. Im Januar-Konzert etwa. Da wird der große Christian Zacharias selbst nicht nur den Solopart in Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 spielen, sondern auch selbst dirigieren (Bruckners Sechste nach dem Solokonzert!).

Calvo liebt auch Wagner, wie wir wissen. Und er schätzt den „heiteren Bereich als Kernpunkt seiner Arbeit“ (Kunze). Und so werden wir in den Genuss einer „Fledermaus“ kommen, die der Chef selbst dirigiert (Premiere 2. Juni 2018). Wie nah er seiner romanischen Verwandtschaft auf dem Stiefel ist, wird er gleich bei seiner ersten Opern-Leitung beweisen: mit Verdis „Maskenball“ (Premiere 2. Dezember 2017).

Nicht alle Premieren und Veranstaltungen wollen wir hier aufzählen – es sind zu viele, zumal auch einige Top-Produktionen wiederaufgenommen werden (Pique dame, Wagner). Interessant noch, wie die Theater im Jahr des Stadtjubiläums bewusst hinausgehen in die Stadt, an ganz andere Spielorte. Das Ballett etwa tanzt seine „Maria Stuart“ im Kleinen Saal der Stadthalle. „Nähe schaffen“ will Ballettchefin Sabrina Sadowska damit, aber sie schwärmt schon heute von der wunderbar passenden „Gerichts- und Arena-Situation“ dort. Das Schauspiel geht mit der Uraufführung eines Stülpner-Abenteuers im Sommer in den Küchwald. Ein großes Konzert „Chemnitz singt!“ mit vielen sächsischen Chören und der Philharmonie wird das Stadtjubiläum in der Messe Chemnitz gewaltig einläuten. Eher ruhiger wird es zugehen in der Kammermusik-Reihe „Klasse Klassik!“ der Philharmonie an ganz besonderen Spielorten. Bach gibt’s im „Pumpwerk eins“, den jungen Mendelssohn im Ballsaal des „Chemnitzer Hofs“, und der junge Mozart wird im smac erklingen. Dafür der „Sängerkrieg der Heidehasen“, eine Tannhäuser-Story für Kinder ab fünf, drunten im Spiegelfoyer des Opernhauses, dort, wo beim Ball der Bälle sonst die Nacht endet…

Das gesamte Programm steht jetzt schon auf den neuen Theater-Webseiten. Schauen Sie rein. Und finden Sie im Gefunkel der Brillanten ihren ganz besonderen. Das Wagner-Abenteuer ist ganz große Klasse. Und trotzdem freue ich mich auf den „Kleinen Lord Fauntleroy“ im Schauspielhaus (Premiere 25. November 2017) – wer hat die zu Tränen rührende Geschichte nicht dutzendmal im Film gesehen mit Ricky Schroder und Alec Guinness. Und ich freue mich auf ein Konzert mit einem ganz besonderen Musiker. Er hat von Geburt an keine Arme und spielt sein Horn mit den Zehen! Felix Klieser ist einer der weltbesten Hornisten geworden. In Chemnitz spielt er im Mai-Sinfoniekonzert Straussens ebenso schwieriges wie schönes erstes Hornkonzert.

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